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Aus dem Tagebuch einer faulen Person

  • 5 hours ago
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In meiner ersten und einzigen Substack-Story habe ich schriftstellerische Ambitionen angekündigt. Das ist inzwischen vier Monate her, danach kam nichts mehr. Statt mich für meine Schreibverweigerung zu kasteien, sehe ich der Ursache aufgeschlossen ins Auge: Ich bin faul.



Wenn Leute sagen, dass nicht immer die Besten es schaffen, sondern die, die nicht aufgeben, muss ich schlucken. Ich gebe meistens auf, bevor ich angefangen habe. Und wenn ich anfange, bringe ich es in der Regel nicht zu Ende. Auf halbem Weg in die Geschichte geht mir die Muße aus, mein Laptop ist voll von ersten Seiten. Dass Soulstories drei Minuten Lesezeit kurz sind, liegt nicht an eurer Aufmerksamkeitsspanne, sondern an meiner.


Ich lebe stets in Wohnungen mit halber Einrichtung. Sofa ja, Tisch und Sessel nein. Bilder stehen jahrelang auf dem Boden, mein Lebensraum ist abends immer etwas zu dunkel, es ist mühsam, eine gute Lampe zu finden. Geht etwas kaputt, bleibt es kaputt. Der erste Kratzer an der Kommode tut weh, danach denke ich mir: That’s life.


Zu wenig Zeit habe ich nun wirklich nicht. Der letzte zeitfressende, alles überschattende Job, der mich tagsüber in den Wahnsinn und abends in die Resignation trieb, ist lange her. Manchmal vermisse ich das, schaue auf meine gestressten Freunde und bin ein bisschen neidisch. Sie alle scheinen gebraucht zu werden. Morgens ohne To-dos aufwachen ist nicht gerade beflügelnd. Doch dann schaue ich auf die Uhr und es ist erst neun und ich drehe mich nochmal um und das ist schön.


Es kommen auch wieder andere Zeiten. Und ist das nicht gesund? Wenig Stress, viel Schlaf, das Rezept für ein langes Leben? Müßiggang muss man können. Chillen also doch mit gutem Gewissen? Je unfertiger sich ein Leben anfühlt, desto mehr Potenzial steckt drin. Diesen Gedanken finde ich schön.


Vor ein paar Monaten habe ich ein Jobcoaching gemacht. Der Coach hatte bereits nach unserem 10-minütigen Kennenlern-Call die richtige Schublade für mich. Ich bin eine „Scanner-Persönlichkeit”. Scanner sind vielseitig interessiert, können sich schnell, aber nur kurz für etwas begeistern und sind äußerst abbruchslustig. Abbruchslust kenne ich.


Ich liebe Coachings. Ständig wird man anhand eines Frameworks kategorisiert und lernt etwas über sich. Die gecoachte Person macht überhaupt nicht alles falsch, gehört nur zu Menschengruppe dunkelrot/mit Führungsambition und in dieser Gruppe ist es normal, seine Kollegen anzubrüllen. Auf einmal macht alles Sinn.


Der Coach hatte übrigens noch einen Karriere-Impuls für mich: Man soll sich ja immer dort umschauen, wo man bereits Erfahrung hat. Ein paar Monate vor dem Coaching war meine Mutter gestorben. Naheliegend fand er zum Beispiel das Thema Bestattungen. Alternativ: irgendwas mit HR.

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